Dankbarkeit im Dezember

Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, dann war der Dezember… kleiner.

Weniger Termine. Weniger Pakete. Weniger Reize. Mehr Warten, mehr Staunen, mehr Freude an kleinen Dingen.

Und jetzt?

Unsere Kinder leben in einer Welt, in der ein Monat plötzlich geschenkemässig wie drei Geburtstage am Stück wirkt. Adventskalender, Chlous-Säckli, Weihnachtsgeschenke, Schule, Kita… selbst wenn wir als Eltern bewusst reduzieren, bleibt es viel.

Jedes Jahr frage ich mich deshalb:

Wie helfe ich meinen Kindern, dankbar zu bleiben – ohne Druck, ohne Moralkeule, dafür mit Herz und Freude?

Denn Dankbarkeit ist nichts, was man einmal erklärt.

Sie ist ein Gefühl, das wächst, wenn wir es gemeinsam üben.

Warum Dankbarkeit so wichtig ist (mit Forschung, die Eltern lieben werden)

Studien zeigen, dass Dankbarkeit bei Kindern drei Komponenten umfasst:

  • sie erkennen, dass sie etwas bekommen haben
  • sie verstehen, dass jemand das absichtlich für sie getan hat
  • sie fühlen, dass das schön ist

Dieses Modell stammt aus der Entwicklungsforschung zu Kinder-Dankbarkeit von Dr. Jeffrey Froh und Dr. Giacomo Bono (Studiensammlung: The Development of Gratitude in Childhood, 2014).

Andere Untersuchungen zeigen, dass Kinder, die Dankbarkeit regelmässig üben:

  • höheres Wohlbefinden und mehr Selbstwertgefühl entwickeln (Froh et al., 2008)
  • weniger Materialismus zeigen (Chaplin & John, 2007)
  • bessere Beziehungen zu Gleichaltrigen haben (Algoe, 2012)

Kurz gesagt:

Dankbarkeit macht Kinder emotional stabiler – und stärkt ihre sozialen Kompetenzen.

Und das ist im Dezember Gold wert.

Wie wir Dankbarkeit im Dezember stärken können

1. "Von wem kommt das Geschenk?" sichtbar machen

Kinder erleben Geschenke oft wie Dinge, die einfach auftauchen.

Kleiner Satz, grosse Wirkung:

„Grosi hat dieses Buch ausgesucht, weil sie weiss, dass du Tiere liebst.“

Damit verbinden Kinder das Geschenk mit einer echten Beziehung – nicht nur mit dem Objekt.

2. Mini-Pausen zwischen den Reizen schaffen

Radikal einfach, extrem hilfreich:

Erst anschauen, ausprobieren, wahrnehmen – dann weiter zur nächsten Sache.

Denn: Ein überreiztes Kind kann keine Dankbarkeit empfinden.

Sein Gehirn ist schlicht damit beschäftigt, alles zu sortieren.

Ritualidee:

"Was gefällt dir besonders daran?"

Keine Moral. Kein Druck. Nur Verbindung.

3. Kinder etwas zurückgeben lassen – in kindgerechter Form

Nicht als Pflicht, sondern als Ausdruck von Selbstwirksamkeit.

Zum Beispiel:

ein selbst gemaltes Bild
ein kleines Dankeschön-Video
ein Foto vom Geschenk in Action
eine gestempelte / gekritzelte Karte
ein Sticker-Herz auf einem Paket
Kinder merken:

Ich kann jemandem ein gutes Gefühl zurückschenken.

4. Eltern als Vorbilder: Kinder tun, was sie sehen

Einer der stärksten Erkenntnisse aus der Emotionsforschung (Denham, 1998; Eisenberg et al., 2006):

Kinder lernen Emotionen durch Beobachtung.

Wenn wir Dankbarkeit vorleben, entsteht sie bei Kindern fast automatisch.

Wie sieht Dankbarkeit im Alltag der Eltern aus?

  • Laut danken:
    "Danke fürs Tischdecken, das hat mir gerade sehr geholfen."
    "Danke Papa fürs Kochen – ich mag es, wenn wir zusammen essen."
  • An Momente anknüpfen:
    "Ich bin so dankbar, dass wir heute zusammen spazieren waren."
    "Ich freu mich immer, wenn wir abends zusammen ein Buch lesen."
  • Sichtbare Wertschätzung zwischen Erwachsenen:
    Kinder profitieren enorm, wenn sie sehen, dass wir uns untereinander wertschätzen.
  • Dankbarkeit auch für kleine Dinge zeigen:
    "Diese Tasse Tee macht meinen Tag irgendwie besser."
    → Kinder lernen: Dankbarkeit ist kein grosses Ereignis, sondern ein Blick auf das Gute.

Wichtig: Es geht nicht darum, perfekt zu sein.

Es reicht, öfter kleine Momente sichtbar zu machen.

5. Vor dem Geschenkeregen üben – ganz entspannt

Ein Abendritual zur Vorbereitung auf den Dezember:

"Was hat dir heute gefallen?"

"Wem möchtest du Danke sagen – und warum?"

Kinder, die Dankbarkeit in normalen Tagen üben, erleben sie an grossen Festtagen viel natürlicher.

Dankeskarten

Dankbarkeit ist ein Dezembergeschenk, das bleibt

Zwischen Lichterketten, Paketen und vollen Kalendern können wir unseren Kindern etwas mitgeben, das grösser ist als jedes Geschenkpapier:

Das Gefühl, gesehen zu werden.

Die Fähigkeit, Freude weiterzugeben.

Dankbarkeit entsteht in vielen kleinen Momenten.

Beim Vorleben, beim Staunen, beim Innehalten.

Und vielleicht auch beim Ausmalen einer kleinen, stolzen Dankeskarte.